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Przewalskipferd
 

Lat. : Equus p. przewalskii
Engl.: Przewalki's Wild Horse


SystematikKlasse: Säugetiere, Mammalia
Ordnung: Unpaarhufer, Perissodactyla
Familie: Pferde, Equidae
Verbreitunginnere Mongolei
LebensraumSteppen, Wüsten, Halbwüsten
ErnährungGras, Sträucher, Tamarisken
Tragzeit328-343 Tage
Höchstalterbei 34 Jahren
Körpergewicht350 Kg
Körperlänge210 cm
Schulterhöhe145 cm
Bestandvom Aussterben bedroht (EEP)

Typisches Kennzeichen:

  • Haare von Mähne und Schweifansatz werden jährlich gewechselt => Stehmähne (alle Hauspferde haben Hängemähne!); Mähnenhülse aus kurzen hellen Haaren.

Weitere Merkmale:

  • kräftiger Körper, großer Kopf, Rücken und Hals kurz,
  • Fell hellbeige bis rotbraun, heller schwalbenbauch, Mehlnase und helle Augenringe, Vorderseite der Beine dunkel bis schwarz, oft Querbänderung an Handwurzelgelenken, Aalstrich

Über Verhalten und Ökologie der Tiere in freier Wildbahn liegen kaum Beobachtungen vor. Aufgrund der nahen Verwandtschaft vermutet man ähnliche Strukturen wie bei verwilderten Hauspferden. Sozialstruktur: Haremsherden aus Hengst + einigen Stuten mit Fohlen. Rangordnung oft mit Alter korreliert. Männliche Jährlinge werden vertrieben und schließen sich Junggesellenherden an. Auch junge Stuten wechseln die Herde. Die Fohlen werden von Müttern und "Tanten" betreut, in den Hengstherden streiten sich die erwachsenen P.-Hengste oft um die Betreuung der Jährlinge. Hengste führen meist nur wenige Jahre eine Herde, bis sie von einem Rivalen besiegt werden.

Verhalten:

Ausdrucksbewegungen: Begrüßen durch naso-nasale und naso-anale Kontakte; Drohen sowie Treiben der Herde durch den Hengst mit gesenktem, gestrecktem Kopf, angelegten Ohren, Maul geöffnet; zur Beschwichtigung werden Ohren zurückgelegt, Nüstern und Maulwinkel nach hinten gezogen, Leerkauen;

Hengstkampf: Aufbäumen und Tritte mit den Vorderhufen, sowie Bisse in Nacken und Beine, führen zu Verletzungen, manchmal mit Todesfolge. Hengste harnen und koten über die Exkremente der Stuten und rangniederer Tiere.

Körperpflege: scheuern an Bäumen, wälzen am liebsten in Sand, groomen = soziale Körperpflege durch gegenseitiges Beknabbern.

Ernährung: Pferde fressen 12-18 Stunden täglich, hauptsächlich Gras, sowie Kräuter, Laub, Rinde. Aufschluß von Zellulose durch Symbionten im Blinddarm. Können von nährstoffarmen Futter leben, das sie dann in großen Mengen aufnehmen müssen. Im Zoo 3x/Tag, wie Hauspferde (Heu, Hafer, Pellets, Gras, Luzerne, Laub).

Verbreitung: Östliche Unterart des Urwildpferdes, der Stammart des Hauspferdes, das während der letzten Eiszeit in ganz Eurasien verbreitet war. Höhlenzeichnungen in Südfrankreich und Spanien zeigen typisches Urwildpferd. Letztes Rückzugsgebiet waren Steppen und Berge (bis 2500m) der südlichen Mongolei, wo sie 1879 vom polnischen Forscher Przewalski (rz wie bei "Grzimek") entdeckt wurden. Bejagung und Konkurrenz durch Haustiere führten zum Aussterben in freier Wildbahn, wo 1968 letztmalig P.-Pferde gesehen wurden.

Zucht: Um die Jahrhundertwende wurden 53 Fohlen gefangen (Falz-Fein, Hagenbeck). Founder der heutigen Population sind 11 dieser Wildfänge (heute wird vermutet, daß einige dieser Tiere schon Hauspferdeblut trugen) sowie ein F1-Hybride aus Wildfang und mongolischer Hauspferdstute und eine 1947 gefangene Stute. Der Hauspferdeanteil wird bei einigen Pferden durch Hängemähne, weiße Abzeichen oder dunkle Nase sichtbar. Da der Erhalt "wilder" Allele absoluten Vorrang hat, wird nur eine milde Selektion gegen Hauspferdgene durchgeführt. Durch Inzucht und Bottlenecks (den 2.Weltkrieg überlebten nur 9 (?) Tiere) gingen 60% der genetischen Variabilität verloren. Seit 1960 wird ein Zuchtbuch geführt, seit 1985 gibt es ein EEP. 1994 gibt es etwa 1500 Tiere und wegen mangelnder Haltungsmöglichkeiten, wurde die Zuchtrate seit einigen Jahren durch Maßnahmen wie Geschlechtertrennung und PZP-Gaben ("Verhütungsmittel") gesenkt.

Semi-Reservate (SR): Mit der Intention die Umweltkompetenz der Tiere zu steigern und sie auf eine Auswilderung vorzubereiten wurde 1982 in Holland das erste SR gegründet. Als SR wird ein eingezäuntes Gelände bezeichnet, in dem Tiere möglichst ohne menschliche Beeinflussung und Hilfe leben. SR erlauben die Durchführung wildbiologischer Studien, sowie die kostengünstige Unterbringung größerer Herden. In Deutschland gibt es zurzeit drei SR.

Text: Claudia Schach