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Orang-Utan
 

Der Orang-Utan ist an seinen eigentlichen Lebensraum, die Kronenregion der Regenwälder, durch seinen besonderen Körperbau besonders seiner Extremitäten hervorragend angepaßt. Im Gegensatz zu den anderen Menschenaffenarten (Gorilla, Schimpanse und Bonobo) hält sich der Orang-Utan in seinem natürlichen Lebensraum eher selten am Boden auf. Obwohl die Tiere, insbesondere erwachsene Männchen, in freier Wildbahn eher Einzelgänger sind haben sie doch eine ausgeprägte Fähigkeit zur Ausbildung von Sozialkontakten. Dies zeigt sich besonders eindrucksvoll in Zoologischen Gärten, in denen sie in Gruppen gehalten werden. Entgegen dem weitverbreiteten Vorurteil, Orang-Utans währen geistig eher träge, kann man bei ihnen eine Vielzahl von teilweise komplexen Manipulationen, Werkzeuggebrauch und Spielverhalten beobachten.


Lat.: Pongo pygmaeus
Engl.: Orang-Utan


SystematikKl.: Säugetiere, Ordn.: Primaten, Fam.: Pongiden
MerkmaleHelle Haut mit ausgedehnten dunklen Bereichen; Gesicht bei Jungtieren im Mundbereich und um die Augen hell; bei Erwachsenen dunkel. Fell rotbraun, sehr lang. Arme wesentlich länger als Beine. Ausgewachsene Männchen mit Backenwülsten.
MaßeStandhöhe männlicher Tiere im Mittel 1,4m, bei weiblichen Tieren 1,2m
GewichtMännliche Tiere meist 60-90kg, weibliche 30-50kg
LebensraumVom Menschen wenig beeinflußte Regenwälder
VerbreitungBegrenzte Gebiete in Borneo und Sumatra
ErnährungVorwiegend Früchte; Blätter, Sprosse, Blüten, Nüsse, Rinde; Insekten
SozialstrukturPrinzipiell Einzelgänger, die eine Revier besetzen; die Reviere erwachsener Männchen umfassen mehrere Weibchenreviere. Andere Männchen, vor allem jüngere Tiere, oft nomadisch.
GeschlechtsreifeMit 7-10 Jahren
FortpflanzungGanzjährig
TragzeitIm Mittel 245 Tage
Anzahl der Jungen/Geburt1, selten Zwillinge
GeburtgewichtDurchschnittlich 1500g
LebensdauerIm Freiland 36-40 Jahre, in Menschenobhut nicht selten über 50 Jahre
BestandAuf Sumatra 5.000-15.000, auf Borneo vermutlich rund 80.000; nach anderen Schätzungen insgesamt nur 20.000
Bedrohung & SchutzAls gefährdet in die Rote List der IUCN und in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen aufgenommen.

Tatsache ist:

"Orang-Utans leben heute nur noch in den tropischen Regenwäldern Borneos und Nordsumatras. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet weit über seine jetzigen Inselvorkommen in den südostaustralischen Raum wie beispielsweise nach Malaysia hinein. Man findet Orang-Utans in einer Vielzahl verschiedener Waldlebensräume, so in Mangroven- und Küstensumpfwäldern, Berg- und Tieflandregenwälder. Durch den Bau ihrer Gliedmaßen sind Orang-Utans perfekt an das Leben in den Bäumen angepaßt. So sind beispielsweise - wie für Schwinghangler üblich - die Arme wesentlich länger ausgebildet als die Beine. Die Nahrungsaufnahme ist beim Orang-Utan an das Baumleben angepaßt. Während seine hauptsächlich bodenlebenden afrikanischen Verwandten, Gorillas, Schimpansen und Bonobos sich überwiegend von dem ernähren, was sie auf und im Boden finden, bilden Früchte den Hauptteil der Orang-Utan-Nahrung. In manchen Gebieten nehmen die Tiere mehr als 200 verschiedene Obstsorten zu sich, deren jahreszeitlich bedingtes Vorkommen sie sich aufgrund enormer Gedächtnisleistungen über viele Kilometer merken. Neben Früchten, deren Nahrungsanteil etwa 60% ausmacht, essen Orang-Utans auch grüne Pflanzenteile, Sprossen, Blüten und Baumrinden, aber auch Termiten, Ameisen, Raupen und Heuschrecken. Einen höheren Anteil an tierischem Proteinen müssen hauptsächlich ausgewachsene Orang-Utan-Männer aufnehmen, da die Deckung des Mindestnährstoffbedarfes über rein vegetarische Kost im Freiland für solch große Organismen zu zeit- und energieaufwendig wäre.

Wie alle Bewohner der tropischen Regenwälder leben Orang-Utans in einem komplizierten ökologischen Gefüge, in dem jede Tier- und Pflanzenart ihren Platz hat. Die Beziehung zwischen diesen Primaten und den Wäldern, in denen sie leben, ist immer wechselseitig: Orang-Utans brauchen den Wald als Lebensraum und die Bäume wiederum sind auf diese Prirnaten angewiesen. So ist diese Menschenaffenart an der Verbreítung von Pflanzensamen beteiligt, indem sie die Kerne der Früchte meist unzerkaut und unverdaut wieder über den Kot ausscheidet. Auf diese Weise keimen Samen häufig mehrere Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt.

In der Heimat der Orang-Utans wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Teile der tropischen Regenwälder abgeholzt. Vor allem japanische Holzfällerfirmen beuten die Wälder Südostasiens rücksichtslos aus, aber auch der europäische und der nordamerikanische Raum waren und sind Abnehmer für Tropenhölzer. Durch das verantwortungslose Abholzen der tropischen Regenwälder entstanden in vielen Ländern große Ödflächen, die sich weder zum Anbau von Nutzpflanzen noch zur Wiederaufforstung eignen. Vielfach war den maßgeblichen Behörden lange Zeit nicht bewußt, welche langfristigen Folgen die Vernichtung der Wälder für ihre Umwelt, ihre eigene Nahrungsmittelversorgung und ihre Wirtschaft hat. Derzeit leben auf Borneo und Sumatra noch etwa 20.000 Orang-Utans, noch vor hundert Jahren wurde ihre Zahl auf 1 Million geschätzt. Die Abholzung der indonesischen Wälder stellt allerdings nicht die einzige Bedrohung für die Orang-Utans dar. Noch heute werden Jungtiere für den Export gefangen. Sie landen in Südostasien in winzigen Zoos oder auch in Ladengeschäften, wo sie Besucher und Kunden anlocken sollen. In den vergangenen zehn Jahren, so wird geschätzt, wurden rund 5.000 Orang-Utans getötet, da auf jedes Jungtier, das bis in den internationalen Handel gelangt, meist fünf bis sechs Alttiere kommen.

Was können wir tun ?

Jedesmal, wenn Zollbehörden junge Orang-Utans beschlagnahmen, stellt sich die Frage, wo die Tiere untergebracht werden können. Inzwischen gibt es für solche Menschenaffen fünf Auswilderungsstationen auf Borneo und Sumatra. Dort werden sie auf die Rückkehr in die Freiheit vorbereitet. Seit Mitte der 80er Jahre erleben diese Zentren einen regelrechten Boom an Pflegefällen. Einerseits ist dies ein deutlicher Beweis für das Vertrauen, das man der Arbeit der Stationen entgegenbringt, andererseits ist dies aber auch ein klares Indiz für die extreme Bedrohung der Orang-Utans. Eine der Stationen, Tanjung Putung im Süden Borneos, wird von der aus Litauen stammenden Forscherin Biruté Galdikas geleitet. Solche Auswilderungsstationen ermöglichen es Teilen der einheimischen Bevölkerung, einen relativ sicheren Arbeitsplatz zu finden. Gleichzeitig können durch lokale Öffentlichkeitsarbeit auch die Einheimischen für solche Unternehmungen begeistert werden. Finanziert werden solche Projekte unter anderem auch durch Touristen, die die Stationen besuchen und über entsprechende Devisen verfügen.

Die Wiederausbürgerung von Tieren, die mehrere Jahre lang von Menschen versorgt wurden, birgt auch Gefahren. Ein Problem ist die Übertragung von Krankheiten, mit denen sich die Tiere beim Menschen angesteckt haben können, da alle Menschenaffen für humane Infektionskrankheiten empfänglich sind. Sobald die Orang-Utans sich vom Camp entfernen, können sie wilde Artgenossen infizieren, die keine Abwehrkräfte gegen diese Krankheiten besitzen. Eine weiter Schwierigkeit ist eine gewisse Überbevölkerung des Urwaldes. Da in einem relativ kleinen Gebiet, wie es ein Nationalpark darstellt, nur eine bestimmte Anzahl von Orang-Utans leben kann, ist jedes zusätzlich freigelassene Tier ein potentieller Nahrungskonkurrent. Die Tiere selbst reagieren beispielsweise auf eine solche Überbevölkerung, indem sie die Intergeburtenabstände, also die zeitlichen Abstände zwischen zwei Jungtieren vergrößern.

Eine weiter potentielle Gefahrenquelle für Wiederansiedlungsstationen stellen nach wie vor auch die Willkür von Regierungsbeamten und Regierungsumstürze in den entsprechenden Ländern dar, so daß solche Projekte zeitweise von heute auf morgen beendet werden müssen und die Lebensraumzerstörung für die dort lebenden Tiere fortschreitet. Es ist also wichtig, daß auch in zoologischen Gärten "Reservepopulationen" gehalten und nach gezüchtet werden, damit der Orang-Utan überlebt. Wissenschaftlich geleitet europäische Zoos sind seit vielen Jahren in der Lage, Orang-Utans zu züchten und artgerecht zu halten. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes für Borneo-Orang-Utans beteiligen sich 35 europäische Zoos, in denen mehr als 130 Borneo-Orang-Utans gehalten werden an der Erhaltung dieser Menschenaffen-Unterart. Sumatra-Orang-Utans werden mit 120 Exemplaren in 32 europäischen Zoos gehalten und nachgezüchtet. Da die Nachzucht dieser Primatenart keine Schwierigkeit mehr darstellt, die Lebenserwartung der einzelnen Individuen (teilweise bis zu 50 Jahre) aber wie bei allen Zootieren aufgrund der exzellenten Versorgungslage in Menschenhand ständig steigt, sind die Zoos schon seit vielen Jahren gezwungen, die Tiere durch einen gezieltes Management planvoll nachzuzüchten. Dies bedeutet, daß bei den Orang-Utans, wie bei vielen anderen Zootieren auch, veterinärmedizinische empfängnisverhütende Maßnahmen (z.B. Hormonimplantate) durchgeführt werden. Um die größtmögliche genetische Variabilität zu gewährleisten beschließt eine Artkommission jährlich, welche Tiere zur Zucht zugelassen werden."

übernommen aus einer Infobroschüre des Kölner Zoos
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