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Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie
 

3. Schutz von Arten und Lebensräumen: direkte Beiträge der Zoos (Seite 1)

Zootierbestände: Grundlage für alle Naturschutzaufgaben der Zoos

Es wird geschätzt, daß die über tausend organisierten Zoos der Welt insgesamt etwa 1 Million Tiere beherbergen, hauptsächlich höhere Wirbeltiere. Einen wachsenden Anteil machen solche aus, die zu den bedrohten Arten gehören. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie fordert alle Zoos auf, diesen Arten verstärkt Platz zur Verfügung zu stellen und alle Einzeltiere im internationalen Arteninformationssystem (= International Species Information System, ISIS) zu registrieren.

Verantwortungsbewußte Zoos orientieren ihre Tierbestandsplanung an Naturschutzzielen, ebenso Bildung, Forschung sowie Artenschutz, wobei sie selbstverständlich das Wohlbefinden der Tìere berücksichtigen. In mehreren Teilen der Welt haben nationale und regionale Zoovereinigungen begonnen, die Tierbestandsplanung der Mitgliedszoos zu koordinieren. Die Strategie plädiert für eine letztendlich weltweit koordinierte Abstimmung bei der Planung aller Zoobestände.

Tierbestände sind die Basis für alle Naturschutzaufgaben der Zoos. Die Bestände selbst können nur erhalten werden, wenn zufriedenstellende Langlebigkeit, Fortpflanzung und das Wohlbefinden der einzelnen Tiere gesichert sind. In den vergangenen Jahren sind die Kenntnisse im Bereich der Wildtierhaltung stark angewachsen, was dazu geführt hat, daß Populationen vieler Arten heute durch gemeinsame Anstrengungen der Zoos reguliert werden müssen, um zu große Populationen zu vermeiden. Gemeinsame Anstrengungen sind ebenso erforderlich, um das akkumulierte Wissen und die Erfahrung in Haltung und Reproduktion bei den Arten anzuwenden, die in Zoos noch nicht optimal gezüchtet werden.

Obwohl die Zoos schon viel erreicht haben und auch weiterhin den Aufbau stabiler Populationen der Arten, die sie halten, fördern werden, ist die Entnahme von Tieren aus der Wildbahn unter bestimmten Bedingungen sehr wichtig, insbesondere wenn dies für das Überleben von Arten notwendig ist, die in der Natur dahinschwindenden Tiere sollten aber nur der Natur entnommen werden, wenn dies auf die eine oder andere Weise dem langfristigen Überleben dieser Art, vor allem , in ihren natürlichen Lebensräumen, dienlich ist. Außerdem muß der Fang von Wildtieren immer in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden stattfinden. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie vertritt den Standpunkt, daß der kommerzielle Handel , mit der Wildbahn entnommenen Tieren zur Auffüllung von Zoobeständen möglichst bald eingestellt werden sollte.

Ex situ (außerhalb des natürlichen Lebensraums) - Erhaltung unterstützt das Überleben von Arten in der Natur

Die Tierbestände der Zoos sind nicht nur die Voraussetzung für Forschung und Erziehung im Zoo. Sie tragen auch direkt dazu bei, das Aussterben bedrohter Arten zu verhindern, nämlich durch den Aufbau von ex situ (außerhalb ihres natürlichen Lebensraums) - Populationen solcher Arten. Die ex situ-Erhaltung ist keine Alternative, sondern eher eine zusätzliche Maßnahme bei der Erhaltung dieser Arten in ihren natürlichen Lebensräumen (in situ ode r vor Ort). Demzufolge müssen ex situ-Populationen so gehalten werden, daß sie das Überleben der Art in der Natur unterstützen können. In Übereinstimmung mit dem "Policy Statement on Captive Breeding" der IUCN von 1987 und anderer IUCN-Dokumenten fordert die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie eine starke Förderung von ex situ-Erhaltungsprogrammen sowohl durch Zoos wie auch Naturschutzorganisationen und -behörden, wann immer solche Programme dem Überleben von Tierarten dienen. In einer wachsenden Anzahl von Fällen sind ex situ-Populationen wesentliche Komponenten im Artenschutz.

Die Risiken genetischer Degeneration und Domestikation können durch kooperatives Management der ex situ-Populationen nach strengen Richtlinien minimiert werden. Die Richtlinien zum Management von Populationen zielen auf die bestmögliche Bewahrung der ursprünglichen genetischen Variabilität. Gut gemanagte Populationen können wertvolle genetische Reservoirs für das Überleben von Arten in der Natur darstellen.

Die theoretischen Grundlagen für das Management kleiner Populationen sind im Verlauf des letzten Jahrzehntes beträchtlich weiterentwickelt worden und werden ständig verfeinert. Für Populationsanalysen stehen Hilfsmittel zur Verfügung wie Zuchtbücher und hochentwickelte Computerprogramme für das Populationsmanagement und die Tierbestandserfassung (wie das Animal Record Keeping System, ARKS, welches von über 400 Zoos genutzt wird, und das Internationale Arteninformationssystem, ISIS). In der Praxis ist das Populationsmanagement in regionalen Zuchtprogrammen organisiert. Diese Programme wurden in allen größeren Regionen der Welt entwickelt. Gegenwärtig gibt es für über 300 bedrohte Arten regionale Zuchtprogramme. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie fordert eine weitere Steigerung der Anzahl regionaler Zuchtprogramme. Nationale und internationale Behörden werden aufgefordert, legale Tiertransfers im Rahmen der ex situ-Programme, deren Ziel die Vermehrung durch Zucht und die Minimierung des Verlustes an genetischer Variabilität und anderer ungewollter Effekte ist, zu erleichtern.

Die Captive Breeding Specialist Group (CBSG) der Species Survival Commission (SSC) der IUCN ist das Bindeglied zwischen der Welt-Naturschutzunion und der auf Zoologischen Gärten beruhenden ex situ-Artenerhaltung. Sie ist der Katalysator bei der Entwicklung von Zuchtprogrammen und fördert die globale Koordination von regionalen Programmen. Außerdem verstärkt sie die Verbindungen zwischen den Zooprogrammen und den in situ- Naturschutzaktivitäten der IUCN, ihren vielen Spezialistengruppen und anderen Naturschutzbehörden und -organisationen. Verbindungen dieser Art sollten möglichst weit ausgebaut werden.

Es ist vorauszusehen, daß die Verbindungen zwischen ex situ- und in situ- Naturschutzbemühungen immer größere Bedeutung erlangen werden: Zucht- und Wildpopulationen bedrohter Arten müssen in Zukunft möglicherweise interaktiv gemanagt und als Bestandteil von "Metapopulationen" betrachtet werden. Der Artenschutz wird von der Zusammenarbeit zwischen allen an ex situ-Programmen Beteiligten abhängen und von der Anerkennung der gegenseitigen Abhängigkeit ihrer Naturschutzbemühungen und der Notwendigkeit ihrer gegenseitigen Bestärkung.


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Artikel übernommen aus:
Zeitschrift des Kölner Zoo; Heft 1, 37. Jahrgang, 1994; Autor: IUDZG (Die Welt-Zoo-Organisation)