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Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie
 

1. Naturschutz: das zentrale Thema der Zoos

Zoos in einer sich verändernden Welt

Tiergärten gibt es schon seit dem Altertum. Die Geschichte der heutigen Zoos begann allerdings erst vor etwa 200 Jahren mit der Gründung der ersten öffentlichen Zoos. Seitdem sind sehr viele Zoos in allen Teilen der Welt entstanden und in einer großen Vielfalt ausgeprägt, die von großen Kollektionen bis zu sehr spezialisierten Einrichtungen wie Aquarien, Vogelparks, Primatenzoos oder Safariparks reicht. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie bezeichnet alle diese zoologischen Einrichtungen als "Zoos".

Seit der Errichtung der ersten öffentlichen Zoos haben in der Welt große Veränderungen stattgefunden. Zu den Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft zählen der Zuwachs an Freizeit und die Erhöhung des allgemeinen Bildungsniveaus. In den biologischen Wissenschaften gab es einen gewaltigen Wissenszuwachs über alle Aspekte des Lebens. Doch zur gleichen Zeit gab und gibt es eine ständig wachsende Bedrohung von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen in allen Teilen der Welt. Diese und viele andere Veränderungen hatten weitreichende Auswirkungen auf die Zoos, die sich dementsprechend von den ursprünglichen Menagerien zu hochkomplexen, wissenschaftlich geleiteten zoologischen Gärten entwickelt haben.

Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie geht davon aus, daß sich die Entwicklung der Zoos fortsetzen wird. Die Sorge um die biologischen Systeme unseres Planeten ist eine der größten Herausforderungen an die Menschheit. Folglich wird der Naturschutz auch als das zentrale Thema der Zoos angesehen, weshalb sich die Zoos zu Naturschutzzentren weiterentwickeln müssen. Die führenden Zoos haben bereits erste Schritte auf diesem Weg unternommen. Viele andere Zoos sollten angeregt, angeleitet und unterstützt werden, diesen zu folgen.

Die Welt-Naturschutzstrategie:
Initiativen der Zoos werden zur Erreichung ihrer Ziele beitragen

Die 1980 von IUCN, UNEP und WWF herausgegebene "Welt-Naturschutz-Strategie" , deren 1991 veröffentlichter Nachfolger "Unsere Verantwortung für die Erde" und verschiedene andere IUCN-Dokumente gaben den Anstoß zur Formulierung der Aufgaben, die die Zoos im Naturschutz zu übernehmen haben. Diese Dokumente drängen auf eine verträgliche Nutzung der natürlichen Ressourcen und der Biodiversität der Erde sowie auf die Bildung eines neuen Gleichgewichtes zwischen der menschlichen Gesellschaft und der natürlichen Umwelt.

Die Welt-Naturschutzstrategie sieht drei Initiativen, mit deren Hilfe die Zoos die Erreichung dieser Ziele unterstützen können:

  1. aktive Unterstützung der Erhaltung von Populationen bedrohter Arten und ihrer natürlichen Lebensräume,
  2. Mehrung der wissenschaftlichen Kenntnisse zum Nutzen des Naturschutzes,

  3. Förderung des öffentlichen und politischen Bewußtseins für die Notwendigkeit von Naturschutz, der verträglichen Nutzung natürlicher Ressourcen und der Schaffung eines neuen Gleichgewichtes zwischen Mensch und Natur.

Diese Ziele bilden die Grundlage für die Aufgabenstellung aller Zoos, welche bei der Erreichung der Ziele der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie eine Rolle spielen werden.

Das globale Zoonetz: ein großes Potential für den Naturschutz

Obwohl es viel mehr Einrichtungen gibt, die unter den Terminus "Zoo" fallen, richtet sich die Strategie hauptsächlich an die mehr als tausend Zoos, die in Zoovereinigungen organisiert sind. Vereinigungen dieser Art bestehen in vielen Ländern der Welt auf nationaler Ebene sowie auf einigen Kontinenten und Subkontinenten auf regionaler Ebene. Auf globaler Ebene vertritt die IUDZG, die Welt-Zoo-Organisation, die Zoogemeinschaft. Die in diesem Netzwerk zusammengeschlossenen Zoos verbindet der Wunsch, in konstruktiver Weise für eine gemeinsame Zukunft zusammenzuarbeiten. Dies ist die Grundlage für weitere Entwicklungen im Rahmen der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie.

Das globale Zoonetz ist auf zweierlei Art einzigartig. Zum ersten werden die organisierten Zoos insgesamt von mindestens 600 Mio. Menschen jährlich besucht, was etwa 10% der gegenwärtigen Weltbevölkerung ausmacht. Diese Besucherzahl wird von keiner anderen Gruppe öffentlicher naturschutzorientierter Einrichtungen erreicht.

Zum zweiten stellen Zoos in zahlreichen Ländern, Städten und Ballungsräumen lebende Organismen und die Natur aus allen Teilen unserer Erde in den Blickpunkt, und nicht nur lokale oder regionale Naturschutzprobleme.

Durch die große Anzahl von Menschen, die von Zoologischen Gärten erreicht werden, gepaart mit der globalen Perspektive, in welcher jeder Zoo die Elemente der Natur präsentiert, verfügt die Zoogemeinschaft über ein riesiges Potential für den Welt-Naturschutz. Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie plädiert daher für eine weitere Entwicklung dieses Netzes, eine Stärkung aller Verbindungen innerhalb der Zoogemeinschaft sowie zwischen dieser und anderen Naturschutzinitiativen.


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Artikel übernommen aus:
Zeitschrift des Kölner Zoo; Heft 1, 37. Jahrgang, 1994; Autor: IUDZG (Die Welt-Zoo-Organisation)