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Haltungsbedingungen in modernen Zoos
 

Von den eher auf den Showeffekt als die Bedürfnisse der Tiere ausgerichteten Menagerien der Vergangenheit haben sich zumindest die modernen wissenschaftlich geleiteten Zoos inzwischen zu Stätten der Bildung, Erholung, Forschung und nicht zuletzt der Erhaltung von Arten entwickelt. Das Bestreben liegt nicht mehr nur darin möglichst viele verschiedene und exotische Tiere zur Schau zu stellen, sondern dem Zoobesucher einen Eindruck von ihrer Lebensweise und ihrem natürlichen Lebensraum zu geben. Deshalb geht man heute oft dazu über die Tiere in einem Ausschnitt ihres natürlichen Lebensraumes zu zeigen. Dies kann z.B. für Geparden der Ausschnitt einer offenen Savannenlandschaft, oder für verschiedene Affen Südamerikas ein "Stück Regenwald" sein. Abgesehen von der Wirkung auf den Besucher tragen dies Anlagen auch ihren Teil zu den Bemühungen der Zoos bei, für die verschiedensten Tierarten jeweils den Bedürfnissen und den vielfältigen Verhaltensweisen entsprechende Bedingungen zu schaffen - eine artgerechte Haltung. Als artgerecht wird eine Haltung im allgemeinen dann bezeichnet, wenn sie dem Tier erlaubt sein arteigenes Verhaltensrepertoir auszuleben. Hierzu zählen verschiedenste Verhaltensweisen wie z.B. Markierung, bestimmte Verhaltensweisen bei der Nahrungssuche oder das Sozialverhalten.

Die Haltung der meisten Tiere stellt Zoos heutzutage kaum mehr vor große Schwierigkeiten. Die Einstellung gegenüber den Tieren hat sich jedoch mit der Zeit verändert. Stand zunächst allein die körperliche Gesundheit der Tiere im Vordergrund, so nimmt heute auch die Sorge um die Psyche der Tiere eine wichtige Rolle ein. Neben der Nachbildung von Lebensraum-Ausschnitten und der Ausstattung der Gehege mit speziellen, auf die jeweilige Art zugeschnittenen Elementen bildet das Behavioural Enrichment den Ansatz um dieses zu garantieren.

Artgerechte Gehegekonzeption

Bei der Konzeption und Ausstattung der verschiedenen Gehege ist die Beachtung von artspezifischen Merkmalen sehr wichtig. Dies soll anhand einiger Beispiele erläutert werden:

Hirschbullen beispielsweise, treiben die Weibchen während der Brunft sehr stark. Um sich den Männchen entziehen zu können flüchten sie i.d.R. durch Dickicht oder Gesträuch, da ihnen das ein ausladendes Geweih tragende Männchen hier nicht folgen kann. Um dies nachzubilden werden in Zoogehegen Hindernisse mit Schlupflöchern gebaut, die die Weibchen passieren können, die Männchen dagegen nicht.

Erdmännchen (zur Familie der Schleichkatzen gehörend) leben in großen Familiengruppen in unterirdischen Bauten. Diesen Tieren sollte daher in ihrem Gehege einen Wohnbau und die Möglichkeit zum Graben haben.

Tiere, die sich die meiste Zeit in Bäumen aufhalten, sollten auch im Gehege die Möglichkeit zum Klettern erhalten und dies nach Möglichkeit in echten Ästen oder ähnlichem Material. Dies ist auch für spätere Auswilderungsprogramme wichtig. So mußte man feststellen, daß sich an feste Edelstahl-Klettergestänge gewöhnte Krallenaffen nach ihrer Auswilderung auf den schwankenden Zweigen der Bäume und Sträucher nicht halten konnten. Durch eine mangelhafte Gehegeeinrichtung hatte sich diese Fähigkeit der Tiere nicht richtig ausbilden können. Auch verschiedene Bären wie z.B. Brillen-, Malaien- oder Kragenbären sind gute Kletterer und sollten dieses Verhalten ausleben können.

Bei Huftieren, insbesondere bei Steppen- und Savannenbewohnern, welche in freier Natur aufgrund der Nahrungsbedingungen weite Wanderungen machen müssen, muß der Gehegeboden so gestaltet sein, daß sich die Hufe genügend abnutzen. Da die Tiere im Zoo nicht diese weiten Strecken wie in der ihren natürlichen Lebensräumen zurücklegen, muß u.U. der Boden sogar härter als in der Heimat des Tiers sein, um eine für die Tiere meist strapaziöse Behandlung durch einen Tierarzt zu vermeiden.

Übertragbarkeit des natürlichen Lebensraumes in den Zoo

Wie schon am Beispiel der Huftiere gezeigt, wird nicht unbedingt eine genaue Nachbildung des natürlichen Lebensraumes im Zoo auch den Bedürfnissen einer Art am besten gerecht. Auch ein mehr oder minder nüchternes Gehege, ausgestattet mit allen Elementen zum Ausleben der spezifischen Verhaltensweisen kann artgerecht sein. Solche Gehege werden heutzutage von Zoobesuchern in der Regel aber kaum akzeptiert, und können im Gegensatz zu den anfangs angesprochenen "Biotopausschnitten" nicht die Eingliederung des Tieres in und seine Anpassung an den jeweiligen Lebensraum verdeutlichen. Somit werden solche Gehege wohl mit der Zeit aus modernen Zoos verschwinden, da der edukative Aspekt heute sehr großes Gewicht gewonnen hat.

Auch bei der Einrichtung bzw. Beurteilung eines Geheges in der Form eines Lebensraumausschnittes müssen die Lebensverhältnisse der Art berücksichtigt werden. Beispielsweise verlassen auch die über weite Strecken ziehenden Tiere (z.B. die Savannentiere Afrikas wie Zebra, Gnu, Löwe) in der freien Natur ein Gebiet nur unter dem Druck schwieriger Ernährungsbedingungen. Ein Gebiet wird nur dann verlassen, wenn es die schwindenden Ressourcen (Gras bzw. Beute) erzwingen. Dies gilt in extremer Weise für so bekannte Raubtiere, wie z.B. den Löwen. Diese verbringen in Familiengruppen die meiste Zeit dösend im Schatten der wenigen Bäume. Erst wenn sie Hunger bekommen, gehen sie auf die Jagd und ruhen danach wieder mehrere Tage. Das Rudel bleibt so wochenlang an einem Platz, bis die Huftierherden vorbeigezogen sind. Erst jetzt sind auch die Löwen gezwungen den Herden zu folgen. Daß Löwen in der freien Natur oft sehr weite Strecken zurücklegen, hängt ausschließlich mit der Verfügbarkeit der Beutetiere zusammen. Löwen können im Zoologischen Garten aufgrund der gesicherten Ernährung also auf vergleichsweise geringer Fläche gehalten werden. Dies gilt i.d.R. für alle Steppen- und Savannentiere.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Ein wichtiges Problem im Zoologischen Garten ist der Umstand, daß die Tiere durch den Wegfall von ganztägigen Nahrungssuche und Feindvermeidung überschüssige Freizeit haben, welche durch ein hohes Beschäftigungsangebot ausgeglichen werden muß. Dies ist vor allem bei Primaten und insbesondere bei Menschenaffen wichtig, da diese Tiere i.d.R. sehr intelligent sind und bei mangelnder Anregung regelrecht psychisch erkranken. So wurden gerade für Primaten eine weite Palette von Ideen entwickelt, die durch gezielte Bereicherung ihrer Umwelt zu ihrem Wohlbefinden beizutragen. Die Gehegestruktur, die Bodenbeschaffenheit, Gruppenhaltung bei sozialen Tieren, die klimatischen Bedingungen, die Art und Weise der Fütterung und die Zusammensetzung des Futters an sich, Gemeinschaftshaltungen mit anderen Arten und die Einbeziehung des Zoobesuchers können hierbei ihren Beitrag leisten. Dieser Aspekt der praktischen Tiergartenbiologie wird Behavioural Enrichment oder Lebensraumbereicherung genannt.