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EEP - Europäische Erhaltungszuchtprogramme
 

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EEP: Europäische Erhaltungszuchtprogramme

Wenn Zoologische Gärten ihren Besuchern Wildtiere so natürlich wie möglich präsentieren wollen, müssen sie dafür Sorge tragen, daß ihre Tiere über alle ursprünglichen, natürlichen Merkmale verfügen. Für Zuchtpopulationen gibt es drei Verfahren: Inzucht, Verlust der genetischen Variabilität und unnatürliche Selektion. Alle drei können zum Verlust ursprünglicher Wildmerkmale und sogar zur Vererbung von Anomalien führen. Wenn sich eine Population von Wildtieren aber durch unkontrollierte Zucht über Generationen verändert und von den Ursprungstieren unterscheidet, werden die Tiere für die Naturschutzbemühungen der Zoos ungeeignet.

Glücklicherweise sind kleine Populationen von Wildtieren, sowohl im Zoo als auch in der Natur, über mehrere Generationen während der letzten Jahrzehnte genau erforscht worden. Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse sowie moderner genetischer Erkenntnisse wurden Richtlinien für Zucht und Management kleiner Populationen entwickelt. Die Befolgung derartiger Richtlinien minimiert die oben genannten Gefahren und maximiert die Zahl der Generationen, in denen die ursprünglichen Merkmale der Tiere erhalten werden. Das Management kleiner Populationen folgt im Wesentlichen den folgenden Prinzipien. Wünschenswert ist eine möglichst große Zahl von Gründertieren zum Aufbau einer Zuchtpopulation. Die Population sollte rasch auf die gewünschte Größe anwachsen. Dabei ist dafür zu sorgen, daß die genetischen Merkmale aller Gründertiere in der Population gleichmäßig repräsentiert sind. Um Inzucht zu vermeiden, müssen Anpaarungen eng verwandter Individuen vermieden werden. Das Verhältnis in der Zuchtpopulation von weiblichen zu männlichen Tieren sollte ausgeglichen sein.

Bei Anwendung von Zuchtrichtlinien und Berücksichtigung der Besonderheiten der spezifischen Populationen wird in streng kontrollierten Zuchtprogrammen nichts dem Zufall überlassen, und es ist möglich, lebensfähige Wildtierpopulationen über einen Zeitraum von ein- oder zweihundert Jahren zu erhalten. Ein striktes Zuchtmanagement hängt jedoch völlig von der Kooperationswilligkeit der Zoos, die Individuen der betreffenden Art halten, ab, denn ein einzelner Zoo wird kaum in der Lage sein, allein eine Population einer Tierart in adäquater Größe zu halten.

In den meisten Fällen sind nicht einmal die Zoos eines europäischen Landes imstande, eine Zuchtpopulation aufzubauen. Deshalb ist für Zuchtprogramme die Kooperation aller europäischen Zoos erforderlich. Und zu diesem Zweck wurden 1985 die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) begründet. Zunächst waren es siebzehn EEPs, z.B. für den Kleinen Panda, den Europäischen Fischotter und den Kongopfau. Inzwischen gibt es über 60 EEPs, und es kann damit gerechnet werden, daß es bis zum Jahre 2000 mehrere hundert EEPs geben wird. Vorrang bei der Auswahl von Arten für EEPs haben solche, die in der Natur besonders bedroht sind.

Für jedes EEP gibt es einen Koordinator. In der Regel ist dies ein Mitarbeiter eines Zoos, in jedem Fall ein Experte für die betreffende Tierart. Der Koordinator führt Buch über alle in den europäischen Zoos lebenden Tiere eines EEPs und sammelt alle relevanten Daten über sie. Der Bestandserhebung folgt eine demographische und genetische Analyse der Population, die Aufschluß über die genetische Repräsentation der Gründertiere und den sogenannten Inzuchtkoeffizienten aller Individuen gibt. Die Analysen sind um so komplizierter, je länger die betreffende Tierart bereits in menschlicher Obhut gehalten wird. Erleichtert wird die Arbeit des Koordinators durch spezielle Programme der elektronischen Datenverarbeitung.

Unterstützt wird jeder EEP-Koordinator durch eine sogenannte Art-Kommission, die aus fünf bis zehn Repräsentanten verschiedener europäischer Zoos besteht, die über besondere Erfahrungen in Haltung und Zucht der betreffenden Tierart verfügen. Auf der Grundlage der demographischen und genetischen Analyse stellt der Koordiantor in Abstimmung mit seiner Kommission alljährlich einen Zuchtplan auf. Dieser legt fest, welche Tiere zwischen den einzelnen Zoos ausgetauscht werden müssen. Ist die Population im Wachstum begriffen, müssen weitere Zoos zur Teilnahme am EEP gewonnen werden. Ist sie groß genug, muß das weitere Anwachsen durch geeignete Maßnahmen verhindert werden. Die Sammlung aller Erfahrungsdaten und deren Weitergabe an alle EEP-Teilnehmer führt schließlich zu einer Standardisierung und Optimierung der Haltungsbedingungen der Tiere in allen beteiligten Zoos.

Auf einer alljährlich stattfindenden EEP-Konferenz treffen sich die EEP-Koordinatoren zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Die Steuerung der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme dient die EEP-Koordinationsgruppe, der führende Zoorepräsentanten aus allen europäischen Ländern angehören. Zu den Aufgaben der Koordinationsgruppe gehört z.B. die Ernennung der Koordinatoren und die Auswahl weiter Arten für die EEPs. Zur Wahrnehmung routinemäßiger Aufgaben und als Anlaufstelle der Zoos wurde 1991 am Zoo Amsterdam eine EEP-Geschäftsstelle eingerichtet.

Die Zusammenarbeit Zoologischer Gärten in Europa im Rahmen der EEPs ist angesicht der Vielzahl der Nationen und Sprachen nicht immer einfach. Auch der mit Grenzüberschreitungen verbundene Austausch von Tieren ist häufig sehr aufwendig. Die Sorge um die Erhaltung der Tierwelt verbindet die Zoologischen Gärten jedoch über politische Grenzen und sonstige Schranken hinweg. An den EEPs sind heute über 250 Zoos in praktisch allen Ländern Europas beteiligt. Nationale und supranationale Zooverbände wie EAZA (European Association of Zoological Gardens an Aquaria) unterstützen und fördern die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme.


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